Ende eines sechsjährigen Dramas: Contwig gewinnt Schimmel-Prozess auf ganzer Linie

Das jahrelange juristische und bauliche Hickhack um die schimmelbelastete Baustelle der neuen Kindertagesstätte in Contwig hat ein unerwartet schnelles und für die Gemeinde hocherfolgreiches Ende gefunden. Wie Ortsbürgermeisterin Nadine Brinette im Oktober 2026 bekannt gab, hat die verantwortliche Baufirma ihre Berufung gegen das vorangegangene Gerichtsurteil überraschend zurückgezogen. Damit ist der kräftezehrende Rechtsstreit rechtskräftig beendet – die Pfälzer Gemeinde hat den Prozess auf ganzer Linie gewonnen.
Falsches Material zur falschen Jahreszeit
Das Desaster begann während der Rohbauphase der neuen Kindertagesstätte. Die Gutachter stellten fest, dass der massive Schimmelbefall auf eklatante Fehler im Baumanagement zurückzuführen war. Eigentlich unbedenkliche OSB-Holzplatten für die Dachkonstruktion wurden in einer nasskalten Jahreszeit verbaut. Da zeitgleich die Dämmung fehlte und keine technischen Trocknungsmaßnahmen eingeleitet wurden, entstand ein perfekter Nährboden für gesundheitsgefährdende Schimmelsporen. Sobald der Schimmel bemerkt wurde, ruhten die Arbeiten. Es folgte ein jahrelanger Baustopp, der das Projekt in eine millionenschwere Dauerbaustelle verwandelte.
Rathaus als jahrelanges Notquartier für die Kinder
Die Leidtragenden waren vor allem die Familien und die Kinder vor Ort. Da für den geplanten Eröffnungstermin im Jahr 2020 bereits zahlreiche Kinder angemeldet waren, musste die Gemeinde kurzfristig improvisieren. Kurzerhand wurde das Contwiger Rathaus im Ortszentrum unter erheblichem finanziellem Aufwand zu einem provisorischen Kindergarten umfunktioniert. Was als kurze Übergangslösung gedacht war, hält nun schon seit über sechs Jahren an.
Finanzieller Erfolg: 500.000 Euro Vorschuss fließen sofort
Das Amtsgericht Zweibrücken hatte bereits im Jahr 2025 zugunsten der Gemeinde entschieden und Schadensersatzforderungen bestätigt. Durch den Rückzug der Berufung wird das Urteil nun endlich vollstreckt. Die Gemeinde Contwig erhält ab sofort eine Vorschusszahlung von rund 500.000 Euro.
Die endgültige finanzielle Summe steht allerdings noch nicht fest: Erst wenn die Kindertagesstätte fertiggestellt ist und der normale Betrieb läuft, werden die exakten Mehrkosten zusammengerechnet und gegenüber den haftbaren Parteien (dem Architekten und der Baufirma) geltend gemacht.
Ausblick: Einzug im nächsten Jahr angepeilt
Während der Rückbau der schimmelbelasteten Bauteile unter der Leitung eines neuen Bauüberwachungsbüros fast vollständig abgeschlossen ist, laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für den Weiterbau. Die offizielle Fertigstellung und der lang ersehnte Einzug der Kinder in den Neubau sind fest für das kommende Jahr 2027 eingeplant. Erst dann wird sich auch das Rathaus wieder in ein normales Verwaltungsgebäude zurückverwandeln – wenn, wie Bürgermeisterin Brinette erleichtert feststellt, „die letzte Schraube rausgedreht ist“.
Ablauf des Rückbaus
Der Rückbau der schimmelbelasteten Bauteile an der Kindertagesstätte in der Maßweilerstraße folgte einem strengen Sanierungsplan, um die Baustelle vollständig sporenfrei zu bekommen. Der Ablauf gliederte sich im Wesentlichen in folgende Phasen:
- Vollständiger Baustopp und Schadensaufnahme: Nach Entdeckung des Befalls im Jahr 2020 wurden sämtliche Arbeiten eingefroren. Unabhängige Bauexperten und Gutachter untersuchten das Ausmaß der Kontamination, um festzulegen, welche Bereiche nicht mehr zu retten waren.
- Entfernung der OSB-Platten: Da sich die schädliche Sporenbildung tief in die hölzerne Dachkonstruktion gefressen hatte, mussten die falsch verbauten OSB-Holzplatten komplett demontiert und fachgerecht entsorgt werden.
- Sanierung betroffener Bereiche: Neben dem Dach wurden alle angrenzenden Materialien, die Feuchtigkeit und Sporen gezogen hatten, großflächig zurückgebaut, um verdeckte Schimmelherde konsequent auszuschließen.
- Einsatz einer neuen Bauüberwachung: Um Fehler wie in der Vergangenheit zu vermeiden, entzog die Gemeinde dem alten Architekten die Verantwortung. Ein neues Bauleitungsbüro übernahm die fachliche Überwachung des Rückbaus und koordinierte die anschließende Freigabe der Baustelle.
- Prävention für den Weiterbau: Um ein erneutes Schimmel-Drama dauerhaft zu verhindern, wurde das Materialkonzept geändert. Die neue Dachkonstruktion wird bewusst
